Sightseeing in Seoul, Südkorea

Im Mai 2016 war es soweit und ich besuchte Seoul, die Hauptstadt Südkoreas. In die Millionenmetropole ging es für mich von Tokio aus (zu dem Zeitpunkt lebte ich dort) mit Eastar Jet, einer koreanischen Low Cost-Airline. Gerade durch die geografische Nähe gibt es natürlich einige Billigfluggesellschaften, die zwischen Südkorea und Japan verkehren, wenn ihr überlegen solltet, diese Route einzuschlagen. Darüber hinaus fliegen auch die großen nationalen Fluggesellschaften Korean Air sowie ANA und Japan Airlines die beiden Destinationen an, was gerade für Meilensammler von Interesse sein kann. Flughäfen in Seoul gibt es, ähnlich wie in Tokyo, zwei Stück: den größere Seoul-Incheon Airport und Seoul-Gimpo.

Seoul selbst mit seinen etwa zehn Millionen Einwohnern kam mir generell in seiner Art, in seiner Atmosphäre, in seinem ganzen Flair kleiner und irgendwie familiärer vor als Tokio. Für eine Stadt mit so vielen Menschen mag das nach einer merkwürdigen oder unpassenden Beschreibung klingen, doch die Stadt wirkte auf mich häufig eher wie ein sehr großes Dorf, was vielleicht auch daran liegen könnte, dass die Stadt – anders als Tokio – von Bergen umgeben ist, wodurch man stets erahnen kann, wo die Stadt aufhört, während Tokio niemals aufzuhören scheint und sich schier unendlich in sämtliche Himmelsrichtungen erstreckt. Das alles ist dabei natürlich positiv für Seoul zu verstehen und soll keine Abwertung sein. Vieles in der südkoreanischen Hauptstadt ist sehr gut fußläufig zu erreichen und überhaupt macht es Spaß, die Stadt weitgehend ohne die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu erkunden. Bezüglich letzterer ist mir allerdings auch aufgefallen, dass die U-Bahnen weniger voll sind als in der japanischen Hauptstadt, wodurch man sich generell nur selten eingeengt fühlt. Die Berge und Hügel um Seoul herum ermöglichen es natürlich dennoch, dem Trubel Seouls zu entfliehen und ein wenig frische Luft in den benachbarten Nationalparks einzufangen.

Was Sehenswürdigkeiten anbelangt, hielt ich mich hauptsächlich an die bekannteren Stätten der Stadt, wobei ich mir – wie so oft – vor meiner Anreise keinen Plan gemacht hatte, welche Orte ich unbedingt zu besichtigen gedenke. Trotz der Tatsache, dass Seoul eine doch sehr moderne Stadt ist, hat sie natürlich auch eine Vielzahl an historischen Sehenswürdigkeiten zu bieten. Allen voran sind hier die fünf Kaiserpaläste zu nennen, deren Namen mir noch immer schwer fallen zu schreiben oder gar auszusprechen: Gyeongbokgung, Changdeokgung, Deoksugung, Changgyeonggung und Gyeonghuigung. Ursprünglich gab es auch einen sechsten Palast, der heute jedoch nicht mehr existiert.

Persönlich besichtigen konnte ich Gyeongbokgung, Deoksugung und Changgyeonggung. Beeindruckend und äußerst sehenswert fand ich alle drei Paläste, die in verschiedenen Teilen der Stadt zu finden sind. Die Anlage um Gyeongbokgung (Palast scheinender Glücklichkeit) ist unheimlich groß und man kann gut und gerne Stunden dort verbringen. Neben den wunderschönen Gebäuden hat mich besonders der Garten beeindruckt, der in seiner Ästhetik seinesgleichen sucht. Auch die Detailtreue und Vielseitigkeit der einzelnen Gebäude hat mich sehr fasziniert. Wenn man die weitläufige Anlage abläuft stößt man ständig auf neue Facetten und Details. Ganz nebenbei ist Gyeongbokgung malerisch gelegen, denn im Hintergrund hat man stets einige dieser typisch ostasiatischen bewaldeten Berge, die Fotos vor Ort umso schöner werden lassen. Empfehlen kann ich außerdem, sich die Zeremonie des Wachenwechsels am Haupteingang der Anlage anzusehen. Diese ist nicht nur beeindruckend und farbenfroh, sondern wird auch durch eine englische Ansage unterstützt, sodass man nachvollziehen kann, was genau vor sich geht. Der Eintritt für den Palast kostet übrigens überschaubare 3.000 Won (ca. 2,30€, Stand Sommer 2016) und ist für Besucher unter 25 oder über 64 kostenfrei!

Etwas anders, was die Architektur anbelangt, verhält es sich mit dem Deoksugung-Palast (Palast der rechtschaffenden Langlebigkeit). Hier ist die Besonderheit, dass sich sowohl asiatische als auch westliche Architektur auf der Anlage finden lässt, was mit der Geschichte des Palasts zu tun hat. Umgeben ist das Ganze von modernen Hochhauskomplexen, wodurch man Tradition und Moderne im Einklang sehen und bestaunen kann. Der Eintritt für Deoksugung kostet 1.000 Won (ca. 0,80€, Stand Sommer 2016).

Über eine ebenfalls riesige Park- und Gartenanlage verfügt Changgyeonggung. Dieser sich im Norden der Stadt befindliche Palast ist ähnlich ästhetisch wie Gyeongbokgung, wobei das Areal hier etwas kleiner ist. Durch einen kleinen Hügel hat man hier jedoch die Möglichkeit, die Szenerie auch von einer etwas höheren Ebene aus zu betrachten und die verschiedenen Gebäude aus unterschiedlichen Perspektiven zu genießen. Der Weiher im nördlichen Teil des Geländes mit seiner – je nach Jahreszeit – farbenfrohen Vegetation lässt einen schnell vergessen, dass man sich inmitten einer Millionenstadt befindet. Auch für Changgyeonggung gilt übrigens der Eintrittspreis von 1.000 Won.

Ebenfalls sehr zu empfehlen ist ein Besuch des Jongmyo-Schreins, einer äußerst beeindruckenden Anlage konfuzianischer Ideengeschichte. Die als UNESCO-Weltkulturerbe gelistete Anlage diente vorrangig als letzte Stätte für verstorbene Mitglieder der Joseon-Dynastie, die im Rahmen von Ahnenzeremonien beigesetzt wurden, um ihnen die letzte Ehre zu erweisen. Zu der Geschichte dieser Tradition gibt es vor Ort eine kleine Ausstellung mit Exponaten, die an die Zeremonien erinnern. Mich hat vor allem die schiere Größe des Hauptschreins beeindruckt, von der man absolut überwältigt ist, wenn man vor ihm steht.

Als Abwechslung zu den bislang vorgestellten historischen Sehenswürdigkeiten bietet sich eine Wanderung durch den Namsan-Park an, auf dessen Gipfel sich der N Seoul Tower befindet. Der sich auf einer Anhöhe befindliche Park ist wundervoll gelegen und bietet immer wieder beachtliche Blicke über die Stadt. Krönen kann man das Ganze mit einem Besuch des N Seoul Towers, was jedoch nicht zwingend nötig ist, da bereits der höchste Punkt des Parks einen wunderbaren Ausblick bietet und man sich im Zweifel die 10.000 Won (ca. 8€, Stand Sommer 2016) Eintritt sparen kann.

Völlig kostenlos ist die nächste Sehenswürdigkeit: der Cheonggyecheon Kanal. Hierbei handelt es sich um ein – wie ich finde – ziemlich interessantes Projekt urbaner Architektur und Städteplanung. Einst ein durch Seoul fließender Fluss, war dieser jahrzehntelang durch eine Straße verbaut und quasi nicht existent. Die Stadt erkannte jedoch die Wichtigkeit grüner Rückzugsorte in der Millionenmetropole, sodass die Straße entfernt und die Ebene um einige Meter nach unten abgesenkt wurde. Darüber hinaus wurde – angelehnt an den einstigen Fluss – ein neuer, künstlicher Fluss angelegt, der sich in Kombination mit ebenfalls neu gepflanzten Bäumen, sich architektonisch unterscheidenden Brücken und großzügigen Fußgängerwegen zu einem Erholungsgebiet inmitten Seouls gewandelt hat. Das Ganze geht sogar soweit, dass sich mittlerweile Flora und Fauna entsprechend weiterentwickelt haben und verschiedene Arten hier einen Lebensraum vorfinden. Der sich über mehrere Kilometer erstreckende Kanal ist also ideal zum Spazieren gehen und entspannen. Ich hatte darüber hinaus Glück, dass gerade während meines Aufenthalts eine Laternenshow stattfand, wie ihr auf den Bilder sehen könnt. Insgesamt ein tolles Projekt, welches die Innenstadt Seouls nochmals enorm aufwertet.

Als letztes Highlight in Sachen Sehenswürdigkeiten möchte ich euch das Bukchon Hanok Village wärmstens ans Herz legen! Hierbei handelt es sich um ein historisches Dorf inmitten Seouls, was gerade Reisenden die Möglichkeit gibt, einen Eindruck des historischen Südkoreas zu erhalten, die ihren Aufenthalt nur auf Seoul beschränken. Die historische, wunderschöne Architektur wird ergänzt durch Geschäfte und viele kleine, sehr sympathische und hippe Cafés.

Ich hoffe, dass ihr durch die Beschreibungen und Fotos einen ersten Eindruck von Seoul gewinnen konntet! Insgesamt hat mir die Stadt nicht nur sehr gut gefallen, ich kann sogar sagen, dass ich von ihr überaus positiv überrascht wurde. Die Stadt hat wunderschöne Seiten, tolle Sehenswürdigkeiten und viele hippe Stadtviertel, etwa Itaewon, Hongdae oder Seongsu-dong, wie zuletzt auch der Telegraph und Lonely Planet feststellten. Die Menschen sind darüber hinaus erstaunlich offen; so wurde ich häufiger von Einheimischen angesprochen und das mit der Intention, ein Gespräch zu führen, um zu erfahren, weshalb man Südkorea als Reiseziel wählt oder um die englische Sprache anzuwenden.

Habt ihr noch Fragen oder Anregungen? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar oder schreibt mir eine E-Mail an japsolutontour@gmail.com! Freuen dürft ihr euch auf meinen nächsten Blogeintrag, der meinen Besuch an die Grenze Süd- und Nordkoreas behandeln wird. In diesem Sinne, ein frohes Lesen und Reisen!

10 Replies to “Sightseeing in Seoul, Südkorea”

  1. Eine tolle Zusammenfassung und viele schöne Bilder, so dass ich den ersten Eindruck von der Stadt gewonnen habe.

  2. So ein schöner Bericht und tolle Fotos, danke! Macht wirklich Lust drauf die Koffer zu packen.

    Lg aus Norwegen
    Ina

    http://www.mitkindimrucksack.de

  3. Mit Seoul hab ich mich bisher noch gar nicht auseinandergesetzt muss ich sagen, war vielleicht ein Fehler. Die Aufnahmen finde ich durch die Bank weg sehr interessant und ich glaube mir würde es dort auch ganz gut gefallen. Ich hab bisher nur eine asiatische Großstadt als Vergleich und das ist Hong Kong. Dort hat es mich damals regelrecht umgehauen vor lauter Eindrücken, so etwas kannte ich einfach nicht. Wenn ich mir den Bericht so durchlesen und die Bilder betrachte würde es mir in Seoul glaube ich ähnlich gehen. Danke auf jeden Fall für’s näher bringen, ich werde das definitiv mal im Hinterkopf behalten …

  4. Lieber Sebastian,
    danke für die tolle Führung durch Seoul! Südkorea hatte ich zuvor gar nicht auf dem Schirm, aber bei Deinen Bildern habe ich richtig Lust darauf bekommen. Kam gerade zum richtigen Zeitpunkt, denn wir suchen noch was für den Sommer. Muss mich mal etwas mehr einlesen auf Deinem Blog.
    Liebe Grüße

    Alex

  5. Ja, Südkorea reizt mich auch noch! Nach 5 Tagen Tokio hatte bei mir so ein „Menschen-Overload“ eingesetzt, da war ich über die zahlreichen kleinen Parks und Tempel immer dankbar um dem Gewusel entfliehen zu können! Die Tempel in Seoul sind ja wirklich unaussprechlich😂!
    Danke für den tollen Einblick!
    Lg Miriam

  6. inesgindeslebens sagt: Antworten

    Ein sehr schöner Beitrag und tolle Tipps! Sieht alles sehr spannend aus.
    Liebe Grüße
    Ines

  7. Japan stand bisher irgendwie nie auf meiner Reisewunschliste. Wenn ich das hier aber so lese, dann muss ich wohl doch einmal de Bucketlist ein wenig erweitern.

    LG Sebastian

  8. Mal wieder ein sehr schöner Text, der mir Orte zeigt die ich noch nicht kenne oder noch nicht so ins Visier genommen habe. Aber noch besser finde ich die Bilder! Am besten finde ich ja die Nachtaufnahme auf die Stadt.

  9. Dein Artikel hat tatsächlich meine Neugier geweckt und ich werde die Stadt in meine Bucketliste aufnehmen, die übrigens immer länger wird 🤣. Ich liebe besonders diese spannende Mischung aus Tradition und Moderne.

  10. Hallo Sebastian!
    Südkorea steht auch noch auf meiner Liste, auf der sowieso alle asiatischen Länder stehen 😉
    Danke, dass du mir die schönsten Fleckchen in Seoul gezeigt hast! Vor allem deine Fotos vom Gipfel den Namsan-Parks finde ich traumhaft. Wusste bis jetzt gar nicht, dass es so viele Berge rund um Seoul gibt!
    Liebe Grüße,
    Nicole

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